Welche Gründe gibt es für den Materialmangel im Baugewerbe und welche Folgen entstehen daraus? Wir geben einen Überblick.
Die Baubranche steht nicht nur vor großen Herausforderungen in Bezug auf den Klimawandel oder den Fachkräftemangel – aktuell wird sie vor allem auch durch die Materialknappheit beeinflusst. Die Situation hat sich inzwischen so stark zugespitzt, dass Unternehmen sich bereits auf Kurzarbeit einstellen, obwohl die Nachfrage nach Baudienstleistungen so hoch wie seit Jahren nicht mehr ist. Wir geben heute einen Überblick über die aktuelle Situation, erklären Gründe und Folgen des Materialmangels im Bau.
Inzwischen sind zahlreiche Baumaterialien vom Mangel betroffen. Seit Beginn der Corona-Pandemie hat sich die Lage noch weiter verschlechtert. Grund dafür ist vor allem der Krieg in der Ukraine, der Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft hat. Konkret betroffen sind folgende Baustoffe:
Viele Materialien sind bereits seit Anfang 2020 knapp. Die Baubranche hatte zunächst eine Erholung ab Ende 2021 erwartet, die jedoch durch die Ukraine-Krise nicht eingetreten ist, sondern die Lage noch verschlimmert hat.
Es gibt nicht ausschließlich einen Grund, der zum Baustoffmangel und zu den daraus entstandenen Lieferengpässen geführt hat. Vielmehr gibt es viele Faktoren, die in dieser Entwicklung eine wichtige Rolle spielen und sich gegenseitig beeinflussen:
Unterbrochene Lieferketten & gedrosselte Produktion durch die Pandemie
Der Grundstein für die Krise entstand durch die Corona-Pandemie, die in so vielen Branchen ab dem Frühjahr 2020 die Lieferketten unterbrochen hat. Zwar galt die Sorge der Handels- und Industrieexpert:innen zunächst vor allem der Automobil- und Elektronikbranche, die Problematik weitete sich aber schnell auf zahlreiche weitere Branchen wie auch die Bauindustrie aus. Der Lockdown in China, dem Hauptlieferanten für zahlreiche Baustoffe, hat einerseits die Lieferketten unterbrochen, jedoch gleichzeitig auch die Verfügbarkeit der Baustoffe stark eingeschränkt, da die Produktion gedrosselt wurde. Auch ein Jahr nach Beginn der Pandemie war in vielen Ländern die Produktion noch immer nicht auf Vorkrisenniveau, sodass sich der Materialmangel im Baugewerbe weiter verschärft hat.
Unerwartet hohe Konsumnachfrage
Während die Nachfrage nach Konsumgütern in der ersten Corona-Welle Anfang 2020 stark eingebrochen ist, geschah während der zweiten Welle im Sommer das exakte Gegenteil: Zahlreiche Branchen wurden auf einmal mit einer unerwartet hohen Konsumnachfrage konfrontiert – gleichzeitig sind die Preise für Container immer weiter angestiegen. Dadurch gab es vor allem bei Produkten mit kleineren Margen wie zum Beispiel Schrauben Probleme, da für Unternehmen kaum noch Gewinne abfielen.
Fachkräftemangel in Lieferung und Bau
Ein weiteres Problem, das sowohl die Lieferketten als auch den ausführenden Bau betrifft, ist der Fachkräftemangel. Es fehlt sowohl an LKW-Fahrer:innen als auch an Mitarbeitenden auf den Baustellen selbst. Das sorgt dafür, dass Baumaterialien verspätet auf den Baustellen eintreffen und zum Teil nicht direkt darauf verarbeitet werden können, weil die Arbeitskräfte fehlen.
Explosion der Energiepreise
Für die Herstellung der nötigen Baumaterialien wird Energie benötigt – auch die Energiepreise sind in den letzten Monaten explodiert, sodass die Herstellung teurer wird. Das wirkt sich wiederum auf den Endpreis der Materialien aus. Schließlich ist das Baugewerbe eine der energieintensivsten Branchen – knapp 40 Prozent der jährlichen CO2-Emissionen entfallen auf sie.
Insgesamt treffen in der Baubranche zwei große Krisen aufeinander: die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine. Während die Baubranche sich nach der Pandemie langsam wieder erholen konnte und die Prognosen im Herbst 2021 vorsichtig optimistisch ausfielen, hat Russland direkt die nächste große Krise verursacht. Bauunternehmen können immer weniger planen, wann ihre Projekte beginnen oder weitergeführt werden können. Flexibilität ist dabei inzwischen einer der wichtigsten Faktoren geworden, um handlungsfähig zu bleiben. Einige Unternehmen befassen sich bereits mit dem Thema Kurzarbeit. Starke Flexibilität entsteht jedoch auch durch die Zusammenarbeit mit Freelancern. Freiberufliche Bauleiter:innen können zum Beispiel in Auftragsspitzen eingesetzt werden, um die angestellten Mitarbeiter:innen zu entlasten. Für Arbeitgeber besteht der Vorteil der projektweisen Arbeit, sodass sie sich in unsicheren Zeiten nicht langfristig an feste Mitarbeiter:innen binden müssen.
Denken auch Sie darüber nach, in Ihrem nächsten Bauprojekt mit Freelancern zusammenzuarbeiten? Dann nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf! Wir beraten Sie umfassend zum Ablauf und bringen Sie mit Spezialist:innen für Ihre Branche zusammen. Wir freuen uns darauf, Sie kennenzulernen.